Pyrogene Kieselsäure in Polyesterharzen dispergieren
Rheologie gezielt einstellen
Pyrogene Kieselsäure (SiO₂), beispielsweise AEROSIL®, wird in ungesättigten Polyesterharzen eingesetzt, um Viskosität, Thixotropie und Standfestigkeit einzustellen. Das Harz soll unter Verarbeitungsscherung ausreichend fließen und nach der Applikation wieder Struktur aufbauen. Für Beschichtungen, Gelcoats und faserverstärkte Bauteile beeinflusst dieses Verhalten Verlauf, Ablaufen und die Benetzung der Verstärkungsfasern.
Cavitron Rotor-Stator-Systeme unterstützen die Benetzung und Deagglomeration der Kieselsäure im Harz. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Kieselsäuretyp, Harzrezeptur und mechanischer Bearbeitung. AEROSIL® ist eine Marke von Evonik; unterschiedliche Kieselsäuretypen sind nicht ohne Weiteres austauschbar.
Was die Dispergierung leisten muss
- Vollständige Benetzung: Das leichte Pulver lässt sich nur dann gleichmäßig verteilen, wenn die Harzphase die Oberflächen ausreichend benetzt.
- Definierter Dispergierzustand: Agglomerate müssen gezielt abgebaut werden. Die fest verbundenen Aggregate der pyrogenen Kieselsäure sind von diesen Agglomeraten zu unterscheiden.
- Passende Rheologie: Hydrophile und hydrophobe Typen wechselwirken unterschiedlich mit der Harzphase. Konzentration und Bearbeitung bestimmen gemeinsam den Strukturaufbau.
- Temperatur und Luft: Erwärmung und Lufteintrag beeinflussen Verarbeitung und Qualität. Bei reaktiven Harzen müssen auch Lagerstabilität und nachfolgende Aushärtung berücksichtigt werden.
Dispergierung auf Harz und Kieselsäure abstimmen
Das Rotor-Stator-System verteilt die benetzte Kieselsäure im Harzstrom und baut Agglomerate durch intensive Scherung und turbulente Strömung ab. Werkzeugausführung, Drehzahl und Durchsatz werden so gewählt, dass der erforderliche Dispergierzustand bei geeigneter Produkttemperatur erreicht wird.
Die Maschine lässt sich in eine kontinuierliche Harzaufbereitung oder einen Behälterkreislauf integrieren. Pulverdosierung, Zuführung, Kühlung und bei Bedarf Entlüftung sind auf die Rezeptur abzustimmen. Die Dispergierung der Kieselsäure und die spätere Zugabe reaktionsauslösender Komponenten sind als getrennte verfahrenstechnische Aufgaben zu betrachten.
Maßstab ist die gemessene Rheologie unter definierten Bedingungen. Mehr Scherung führt nicht automatisch zu einem besseren Produkt. Auch der Anteil reaktiver Verdünner wie Styrol kann nicht allein durch intensiveres Dispergieren beliebig reduziert werden.
Übersicht Kundenvorteile
1
Gleichmäßige Benetzung der Kieselsäure
2
Gezielte Deagglomeration
3
Reproduzierbare Rheologie
4
Abgestimmte Temperaturführung
5
Integration in die Harzaufbereitung
Nutzen für Ihre Produktion
Gleichmäßige Einarbeitung: Eine definierte Benetzung und Verteilung vermindert lokale Unterschiede im Kieselsäuregehalt und schafft die Grundlage für eine einheitliche Harzqualität.
Gezielter Agglomeratabbau: Die mechanische Bearbeitung wird auf den notwendigen Dispergierzustand eingestellt, statt nur eine möglichst hohe Scherintensität anzustreben.
Reproduzierbare Rheologie: Festgelegte Dosier- und Betriebsparameter unterstützen vergleichbare Viskosität, Thixotropie und Strukturerholung zwischen Produktionsläufen.
Passende Temperaturführung: Der Energieeintrag wird gemeinsam mit der Wärmeabfuhr betrachtet, um die thermische Belastung des Harzsystems zu begrenzen.
Einbindung in die Aufbereitung: Inline-Dispergierung lässt sich mit Rohstoffdosierung und nachfolgenden Prozessschritten kombinieren. Die Auslegung berücksichtigt auch Reinigung und Produktwechsel.
Auslegung anhand messbarer Rheologie
Die Auswahl erfordert Angaben zu Harztyp, reaktivem Verdünner, Kieselsäuretyp und -konzentration, Viskosität bei Prozesstemperatur und Durchsatz. Hinzu kommen zulässige Temperatur, gewünschte Einbindung und Anforderungen an die Reinigung.
Geeignete Bewertungskriterien sind Viskosität bei festgelegter Temperatur und Scherrate, thixotropes Verhalten, Strukturerholung, Dispergierfeinheit sowie das Verhalten bei Applikation und Lagerung. Messung und Probenkonditionierung müssen vergleichbar sein.
Werkstoffe, Dichtungen und Betriebsgrenzen werden für das jeweilige Harzsystem ausgewählt. Informationen zur Baureihe stehen im Cavitron-Datenblatt.